Mein Opa war ein richtiger Urtyp. Donnerstags ging er, egal bei welchem Wetter, mit seinem Einkaufstrolley fleißig einkaufen, erledigte gewissenhaft seine Gänge in der Stadt und kümmerte sich seit 2 Jahren um unsere Oma, die nach mehreren Herzinfarkten und anderen Leiden, pflegebedürftig geworden war. Kurzzeitig war sie im Altenheim untergebracht, dort wollte und sollte sie aber nicht bleiben. Da waren sich Beide einig! Bestimmt wäre es besser gewesen, Oma professionell betreuen zu lassen, aber kann man zwei so alte Menschen gegen ihren Willen voneinander trennen und ihnen damit das Wichtigste im Leben nehmen? Und so stand bald das Pflgebett im alten Kinderzimmer meines Vaters...
Opa opferte sich regelrecht auf, um es Oma recht zu machen. Ein 24Stunden Job eben. Nach Außen ließ er sich die Anstrengung nie anmerken. Er meisterte den Haushalt so gut wie man es eben mit 90 noch kann, bereitete alle Mahlzeiten zu, stand Nachts mehrmals auf wenn sie klingelte und sortierte gewissenhaft Omas Medikamentenbox vor. Seine eigenen Tabletten nahm er jedoch nicht, verbunkerte sie stattdessen in den Küchenschränken (was wir leider erst viel zu spät entdeckten). In die Karten gucken ließ er sich nie. Mein Papa fuhr fast täglich zu seinen Eltern, um sie zu unterstützen und wir sorgten uns um Opa und seine Gesundheit. Innerhalb weniger Monate wurde er schwächer, aber auf Fragen, wie es ihm denn eigentlich geht, antwortete er nicht ehrlich oder machte seine Späßchen, so wie er es immer machte. Jammern war ein Fremdwort für ihn und bis zum Schluss, als er dann schließlich unter der ganzen Last zusammenbrach, weigerte er sich Hilfe anzunehmen. Er wollte lieber zu Hause sterben und spürte, dass es zu Ende geht.
3 Tage später, am 07.11.2009 starb mein Opa im Krankenhaus an einer akuten Herzinsuffizienz. Ein schnelles Ende, so wie er es sich immer gewünscht hatte. Das war sein Plan und so ging er auf. Er hat sein Leben gelebt und wir sind ihm unendlich dankbar, für alles was er geleistet und geschaffen hat. Für Oma brach eine Welt zusammen. Sie traf es am härtesten, denn an dem Tag verlor sie nicht nur ihren geliebten Ehemann, sondern auch ihr gemeinsames Zuhause. Von heut auf morgen musste Oma für immer ins Heim ziehen und verlor damit nicht nur persönliche Dinge und ihre Gewohnheiten, sondern auch ihr "ganzes Leben". Noch immer sehe ich sie zitternd auf dem Sofa meiner Eltern sitzen; klein, zusammengefallen, die Augenlider zusammengepresst: "Wieso ER und nicht ICH?" - Und ich stelle mir die Frage was trauriger ist, sein schneller Tod oder ihr jetziges Leben...
Heute wohnt Oma einsam in einem 10m² großen Zimmer mit Blick auf den Blankenburger Stadtpark. Als Kind bin ich hier mir ihr immer spazieren gegangen, stolz die große Eistüte von "Knappe" in der Hand. Damals war das Altenheim noch gar nicht gebaut und überhaupt war früher alles anders. Oma ist heute fast blind, sie kann den Park nur noch erahnen. Dazu kommen Taubheit, Parkinson, Osteoporose, Herzprobleme, Thrombose und Depressionen, darin eingeschlossen der tägliche Medikamentenwahnsinn. Das alles hat meine Oma bestimmt nicht verdient und dennoch muss sie nun damit fertig werden. Was ihr außerdem geblieben ist, das sind ein Bett, ein runder Tisch, Opas großer LCD Fernseher, dem sie nur noch aufmerksam zuhören kann, nachdem der Pfleger ihr ein Programm eingeschaltet hat und die regelmäßigen Mahlzeiten. Und dann ist da noch Opas alter Sessel, in meinen Augen wohl das Kostbarste, auf welchem er vielleicht in ihrer Erinnerung geduldig neben ihr sitzt und lächelt ...
Ein Foto aus glücklicheren Tagen: Omas 85. Geburtstag, 21.04.2007
hast du super schön geschrieben kerni! kopf hoch, süsse!!
AntwortenLöschenManchmal hilft es traurig zu sein...durch das aufschreiben kannst du dich erinnern und vielleicht auch ein Stück loslassen!!
AntwortenLöschenMorgen wirst du abgelenkt und aufgeheitert....wir machen es uns gaaanz schön!!
Laß es dir gut gehen und grüß die beiden stöpsel gaaaanz lieb!!
Hallo meine Liebe, ich sitze hier und weine, auch um meine Mama, Dieses Bild sagt so viel aus, wie die beiden Alten sich gegenseitig stützen. Ganz liebe Grüße, die Christiane
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